Bausparen in Zahlen: Wie verbreitet sind Bausparverträge wirklich?
Bausparen in Zahlen: Wie verbreitet sind Bausparverträge wirklich?
Bausparen ist kein Nischenthema, sondern ein stiller Dauerläufer im deutschen Finanzalltag. Wer sich mit Immobilien, Baufinanzierung oder langfristiger Planung beschäftigt, stolpert früher oder später über den Bausparvertrag. Die Frage ist weniger ob, sondern wie relevant er heute noch ist. Ein Blick auf Zahlen und Kennzahlen hilft, das besser einzuordnen.
Wie viele Bausparverträge gibt es in Deutschland?
Aktuell existieren in Deutschland rund 24 bis 25 Millionen Bausparverträge. Das bedeutet: Rein rechnerisch kommt auf etwa jeden dritten Einwohner ein Vertrag. Viele Haushalte haben sogar mehrere, oft aus unterschiedlichen Lebensphasen.
Interessant dabei:
Ein erheblicher Teil dieser Verträge ist nicht aktiv in der Sparphase, sondern ruht oder wartet auf Zuteilung. Das verzerrt das Bild ein wenig. Die bloße Anzahl sagt noch nichts über die tatsächliche Nutzung aus.
Wer hält diese Verträge?
Typisch sind:
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Familien mit langfristigem Immobilienbezug
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Junge Sparer, oft durch Eltern initiiert
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Bestandskunden, die alte Verträge mit hohen Guthabenzinsen behalten
Weniger vertreten sind kurzfristig orientierte Anleger. Dafür ist das Produkt schlicht zu träge.
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| Bausparen in Deutschland kann immer noch attraktiv sein. |
Durchschnittliche Bausparsumme: kleiner als gedacht
Die durchschnittliche Bausparsumme liegt derzeit bei etwa 45.000 bis 55.000 Euro pro Vertrag. Das wirkt auf den ersten Blick niedrig, vor allem im Vergleich zu heutigen Immobilienpreisen.
Der Grund ist einfach:
Viele Verträge wurden nicht als vollständige Baufinanzierung gedacht, sondern als Baustein. Eigenkapitalersatz, Zinssicherung, Renovierungsreserve. Keine Komplettlösung.
Typische Staffelungen aus der Praxis
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Alte Verträge (vor 2010): oft 20.000 bis 40.000 Euro
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Neuere Verträge: eher 50.000 bis 100.000 Euro
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Kombi-Strategien: mehrere kleine Verträge statt eines großen
Das passt zu dem, was Berater und Banken seit Jahren sehen.
Wichtige Bauspar-Kennzahlen im Überblick
Sparleistung und Guthaben
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Regelsparbeitrag: meist 3 bis 5 % der Bausparsumme pro Jahr
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Anspargrad zur Zuteilung: ca. 40 bis 50 %
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Durchschnittliches Guthaben: stark abhängig vom Vertragsalter
Viele Verträge werden langsamer bespart als ursprünglich geplant. Absichtlich oder aus Bequemlichkeit.
Zinsen: nüchtern betrachtet
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Guthabenzinsen bei Neuverträgen: meist unter 1 %
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Darlehenszinsen: oft 1,5 bis 3 %, je nach Tarif
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Zinsvorteil entsteht nur bei langfristiger Nutzung
Kurz gesagt: Als reines Sparprodukt ist Bausparen unattraktiv. Als Zinssicherung kann es funktionieren.
Entwicklung: Warum es so viele Altverträge gibt
Der große Boom liegt zurück. Vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren wurden massenhaft Verträge abgeschlossen. Damals waren:
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Bauzinsen zweistellig
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Guthabenzinsen attraktiv
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Wohnungsbauprämien relevanter
Heute ist das Umfeld ein anderes. Trotzdem schleppen viele ihre Verträge weiter. Aus Gewohnheit. Oder weil Kündigen sich nicht lohnt.
Praxisbeispiel: Typische Situation aus dem Alltag
Ein Paar, Anfang 30. Zwei Bausparverträge à 30.000 Euro, abgeschlossen vor zehn Jahren. Monatlich je 50 Euro Einzahlung. Kein konkreter Bauplan, aber „man weiß ja nie“.
Realistisch betrachtet:
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Zuteilung dauert noch Jahre
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Guthabenzinsen spielen kaum eine Rolle
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Der eigentliche Wert liegt im möglichen Darlehen
Ob das sinnvoll ist, hängt weniger vom Produkt ab als vom Lebensplan.
Kurzes Zwischenfazit
Bausparen ist zahlenmäßig groß, aber in der Wirkung oft klein. Viele Verträge existieren eher auf dem Papier als im aktiven Einsatz. Die Kennzahlen zeigen: Es ist ein Instrument für Geduldige, nicht für Optimierer.
Persönliche Einschätzung aus der Praxis
Ich sehe Bausparverträge heute weniger als Klassiker, mehr als Spezialwerkzeug. Für manche Szenarien passend, für viele nicht notwendig. Wer genau weiß, wofür er ihn braucht, kann profitieren. Wer nur „irgendwas für später“ sucht, bindet Kapital ohne echten Mehrwert.
FAQ: Häufige Fragen zu Bausparverträgen und Kennzahlen
Wie viele Bausparverträge sind aktuell aktiv?
Schätzungen gehen davon aus, dass weniger als die Hälfte tatsächlich regelmäßig bespart wird. Der Rest ruht oder dümpelt vor sich hin.
Ist die durchschnittliche Bausparsumme ausreichend für Immobilien?
Nein. Sie reicht meist nur als Ergänzung. Für eine Vollfinanzierung ist sie zu niedrig.
Warum haben so viele Menschen mehrere Verträge?
Oft historisch gewachsen. Oder zur Aufteilung auf verschiedene Zwecke wie Kauf, Renovierung oder Kinder.
Lohnt sich ein neuer Bausparvertrag heute noch?
Nur bei klarer Planung und langer Laufzeit. Als kurzfristige Geldanlage eher ungeeignet.
Was sagen Kennzahlen wie Zuteilungsreife wirklich aus?
Sie zeigen nur, wann ein Darlehen möglich ist. Nicht, ob es sinnvoll ist, es abzurufen.
Werden Bausparverträge in Zukunft an Bedeutung verlieren?
Wahrscheinlich ja, zumindest in der Breite. Als Nischenprodukt bleiben sie aber bestehen.
Labels/Tags:
Bausparen, Bausparvertrag, Baufinanzierung, Immobilienfinanzierung, Kennzahlen, Sparformen
Meta-Beschreibung:
Wie viele Bausparverträge gibt es in Deutschland? Zahlen, Durchschnittswerte und Kennzahlen zum Bausparen sachlich erklärt.
Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.
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